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Arbeitszimmer: Werbungskostenabzug trotz Telearbeit nur schwer durchsetzbar

Arbeitszimmer: Werbungskostenabzug trotz Telearbeit nur schwer durchsetzbar

Immer mehr Arbeitnehmer teilen sich einen Arbeitsplatz mit einem Kollegen oder vereinbaren mit ihrem Arbeitgeber Telearbeit, um einen Teil der Arbeit familienfreundlich zu Hause im Arbeitszimmer erledigen zu können. Doch selbst wenn ein Arbeitnehmer am Vormittag in der Einrichtung des Arbeitgebers arbeitet und am Nachmittag als Telearbeiter zu Hause im Arbeitszimmer, ist der Werbungskostenabzug für das häusliche Arbeitszimmer kein Selbstläufer.

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Voraussetzungen des Werbungskostenabzugs für ein Arbeitszimmer

Das Problem bei Telearbeitern, die am Vormittag in der Firma arbeiten und am Nachmittag zu Hause, ist, dass sie einen „anderen“ Arbeitsplatz haben. Ist das der Fall, scheidet der Werbungskostenabzug von bis zu 1.250 Euro pro Jahr grundsätzlich aus. Das bestätigte nun auch das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 11.8.2015, Az. 3 K 1544/13).

Beispiel

Eine alleinerziehende Mutter vereinbarte mit ihrem Arbeitgeber, dass sie am Vormittag in der Firma und am Nachmittag zu Hause an ihrem Telearbeitsplatz arbeitet. So kann sie Beruf und Familie perfekt kombinieren. Der Arbeitsplatz in der Firma würde ihr allerdings auch am Nachmittag zur Verfügung stehen. Für die anteiligen Arbeitszimmerkosten beantragt die alleinerziehende Mutter Werbungskosten in Höhe von 800 Euro. Das Finanzamt kippte die Werbungskosten mit dem Hinweis, dass sie ja am Nachmittag auch einen anderen Arbeitsplatz hätte.

Praxis-Tipp

An dieser Auffassung ändert selbst die Tatsache nichts, dass der Arbeitgeber die Möbel und die technischen Geräte für das häusliche Arbeitszimmer bezahlt hat. Die anteiligen, auf das Arbeitszimmer entfallenden Werbungskosten sind dennoch nicht abziehbar, wenn ein Telearbeiter während seiner Telearbeit einen anderen Arbeitsplatz hat.

Gestaltungsüberlegungen zum Arbeitszimmer während der Telearbeit

Liest man die Urteilsbegründung zwischen den Zeilen, finden sich durchaus Hinweise, unter welchen Voraussetzungen im Rahmen von Telearbeit sehr wohl ein Werbungskostenabzug für das häusliche Arbeitszimmer in Frage kommt. Man muss dem Finanzamt nur glaubhaft nachweisen können, dass während der Telearbeit „kein“ anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Ein Werbungskostenabzug für das häusliche Arbeitszimmer ist danach trotz Arbeit in der Firma und im häuslichen Arbeitszimmer bei Telearbeit unter folgenden Voraussetzungen denkbar:

  • Raum-Sharing: Der Arbeitsplatz in der Firma wird nachweislich durch einen Kollegen genutzt, der am Vormittag zu Hause an seinem Telearbeitsplatz arbeitet. Der Raum in der Firma steht dem Telearbeiter also während seiner Telearbeit nicht zur Verfügung. Du hast am Nachmittag also keinen „anderen“ Arbeitsplatz.
  • Poolarbeitsplatz: Arbeitest du am Vormittag in der Firma und am Nachmittag zu Hause und der Arbeitsplatz in der Firma dient am Nachmittag als Poolarbeitsplatz (1 Raum für 5 Außendienstmitarbeiter), hast du keinen „anderen“ Arbeitsplatz am Nachmittag.

Tipp
Um das Finanzamt davon zu überzeugen, das Dein Arbeitsplatz in der Firma für Dich nicht die ganze Woche zur Verfügung steht und Du deshalb ein häusliches Arbeitszimmer benötigst, benötigst Du eine schriftliche Bestätigung Deines Arbeitgebers. Reichst Du diese mit Deiner Steuererklärung beim Finanzamt ein, dürfte ein Werbungskostenabzg für Dein häusliches Arbeitszimmer bis zu 1.250 Euro pro Jahr kein Problem sein.

Werbungskostenabzug, auch wenn Finanzamt Arbeitszimmer ablehnt

Hast du trotz Telearbeit einen „anderen“ Arbeitsplatz in der Firma und das Finanzamt erkennt keine Werbungskosten für das Arbeitszimmer an, solltest du eine steuerliche Besonderheit beachten. Die Einrichtungsgegenstände des Arbeitszimmers (Schreibtisch, Stuhl, Regal, Schrank, etc.) kannst du als berufliche Arbeitsmittel steuerlich absetzen. Hier hast du zwei Möglichkeiten:

  • Abschreibung: Du schreibst die Möbel als Arbeitsmittel über eine Nutzungsdauer von 13 Jahren ab. Bei Kauf während des Jahres ist die ermittelte Jahresabschreibung zu zwölfteln. Die Abschreibung gibt es nur für die Monate ab dem Kauf. Konkret: Kauf eines Schreibtischs für 1.300 Euro am 1.7. = Abschreibung 65 Euro im Jahr des Kaufs.
  • Sofortabzug: Kosten die Möbel netto (also ohne Umsatzsteuer maximal 410 Euro), darfst du die kompletten Anschaffungskosten im Jahr des Kaufs steuerlich absetzen.
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